Evangelische Hochschulseelsorge

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Bericht über den Besuch des Wikwiheba-Projektes in Byumba

von Prof. Heinrich Bedford-Strohm

Im Rahmen meines Besuchs in Ruanda, zu dem ich mich auf Einladung der presbyterianischen Kirche und der Theologischen Fakultät von Butare vom 21. bis 29. Februar dort aufhielt, konnte ich am 24.2. auch das Projekt Wikwiheba (“Verlier nicht die Hoffnung“) im 70 km nördlich der Hauptstadt Kigali gelegenen Byumba kennen lernen. Ich konnte dabei auch die rund 7000.- € übergeben, die durch die Weihnachtsaktionen der Melchior-Franck-Schule und des Gymnasiums Ernestinum in Coburg und der Evangelischen Studierendengemeinde in Bamberg sowie durch verschiedene private Spenden zusammengekommen waren.
Der Besuchstag in Byumba war so eindrucksvoll, dass ich ihn mein Leben lang nicht vergessen werde. Jeder Cent des Geldes, das in Deutschland gesammelt wurde, ist gut investiert!
Ich wurde bei der Fahrt nach Byumba von Anysie Uwimana, einer Mitarbeiterin der presbyterianischen Kirche begleitet, die den Kontakt zu dem Projekt hergestellt hatte.
Claude Mutabazi, der Pastor und Francoise Nyiramajyambere, die Präsidentin des Kirchenvorstands erwarteten uns an der Kirche. Das herzliche Willkommen und die große Freude über die Begegnung die spürbar war – und zwar jenseits des Themas Geld – hat uns schnell miteinander verbunden. Sie stellen mir Jean Damascene Hararimana vor, der als Waisenkind aufgelesen wurde und es durch das Projekt jetzt bis zum Buchhalter der Gemeinde gebracht hat. Was ich dann bei dem Gespräch in der Kirche und in den anschließenden Begegnungen und Erkundungen den ganzen Tag über kennen lernte, hat mich tief beeindruckt. Vor allem der Kontakt mit den Kindern wird mir immer in Erinnerung bleiben. Als sie zum Mittagessen kamen, kamen wir schnell in Kontakt. Wir begannen gleich mit dem Fußball, den ich als Geschenk aus Deutschland zur Übergabe mitbekommen hatte, Fußball zu spielen. In dieser Hinsicht gibt es keine kulturellen Grenzen. Fußball lieben Kinder und Erwachsene auf der  ganzen Welt.
Die Kinder führten mir in der Kirche mehrere wunderbare Tänze vor. Und alle 50 Kinder stellten sich mir auf Französisch mit Namen vor. Dann gab es Essen und alle aßen mit großem Appetit und weithin schweigend konzentriert ihre Mahlzeit, bevor sie wieder in die Schule mussten. Später, als ich durch die sieben Schulklassen geführt wurde und mit der Direktorin der Schule und verschiedenen Lehrerinnen ins Gespräch kam, sahen wir uns wieder und winkten uns zu.
Die Arbeit von Wikwiheba ist beeindruckend: 339 Kinder sind Mitglied und treffen sich zu festgelegten Terminen am Nachmittag in der Kirche zu gemeinsamen Aktivitäten. Da, wo  der Pastor und die Mitarbeiterinnen besondere Not sehen, wird geholfen. So hat man ausgewählten Familien aus Mitteln des Projektes eine oder zwei Ziegen gekauft, so dass regelmäßig etwas Milch da ist. Oder man hilft bei dem Notwendigsten an Schulmaterialien.
Das Wichtigste aber ist das Essen. Mehrere Lehrerinnen haben mir erzählt, wie wichtig das Essen für den Schulerfolg der Kinder ist. Immer wieder ist es passiert, dass vom Pastor oder von Francoise Kinder in den Bananenhainen aufgesammelt wurden, die keine Eltern haben und sich nur so durchschlugen. Wenn sie dann in die Schule geschickt wurden, so die Lehrerinnen, dösten sie eher daher, als wirklich etwas zu lernen. Durch die Aufnahme in das Essensprojekt änderte sich das sehr bald. Erst durch die Essensversorgung waren sie aufmerksam genug, um etwas zu lernen. Das Essensprojekt von Wikwiheba hat also zentrale Bedeutung für den Bildungserfolg der Kinder – und das ist ihre Zukunft!
Der Pastor nahm mich mit zu einem Hausbesuch bei einer alten Frau, die Erik und Patrick, zwei der Waisenkinder aus dem Projekt, bei sich aufgenommen hatte. Die fensterlose Lehmhütte, in der sie leben, ist kleiner als ein durchschnittliches Kinderzimmer bei uns. Es gibt nur eine Liege, auf der schlafen alle drei – wie sie das machen, bleibt mir schleierhaft. Die Kinder sind fröhlich. Sie haben ein Zuhause. Der andere Hausbesuch führte uns über einen verschlungenen Weg durch Bananenhaine den Abhang hinab zu einer kleinen Hütte, in der zwei Kinder aus dem Projekt leben. Die Eltern sind an AIDS gestorben. Die ältere der beiden ist jetzt 18. Mit 12 Jahren hat sie die Verantwortung für ihren kleinen Bruder übernommen. Während der Bruder zur Schule geht, arbeitet sie auf dem Feld, um das Nötigste zum Leben zu erwirtschaften. Der Pastor schaut öfter vorbei. Das Projekt sorgt dafür, dass ihr Bruder die nötigen Materialien für die Schule bekommt.
Als ich am Abend wieder wegfuhr, war ich bereichert durch viele herzliche Begegnungen. Am meisten bleiben mir die lebensfrohen und offenen Kinder im Herzen. Sie wollen leben. Sie wollen eine Zukunft haben. Sie brauchen nicht viel. Was wir von ihnen empfangen können, ist die Inspiration, dass man auch mit wenigen materiellen Gütern ein glückliches Leben führen kann. Was wir ihnen geben können, ist Unterstützung beim Lernen und das Sattwerden, das dazu notwendig ist.
Sinnvoller als dafür hätte das Geld, das in Coburg und Bamberg gesammelt worden ist, nicht verwendet werden können. Hoffentlich geht die Unterstützung weiter.

 


 

Zukunft für Ruanda

Ein Land im Aufbruch von Prof. Heinrich Bedford-Strohm

Ruanda liegt mitten im Zentrum des afrikanischen Kontinents. Umgeben von Uganda und Tansania im Osten und der Demokratischen Republik Kongo im Osten, ist es das Land mit der größten Bevölkerungsdichte Afrikas. Noch immer gezeichnet von den Wunden des Völkermords im Jahr 1994, dem innerhalb von Hundert Tagen fast eine Million Menschen zum Opfer fielen, ist es gleichzeitig ein Land im Aufbruch. Viele junge Menschen wollen aktiv werden, um ihr Land nach vorne zu bringen, Armut und Unterernährung zu überwinden und einmal besser zu leben als ihre Eltern.

Der Schlüssel dazu ist Bildung. Dank der Hilfe von außen und der Anstrengungen der Regierung ist die Quote der Kinder, die zur Schule gehen, steil nach oben gegangen. Aber hungrig lernt sich schlecht. Deswegen hat die Presbyterianische Kirche 2003 das Projekt „Wikwiheba“ ins Leben gerufen, das Kinder betreut, die durch AIDS oder den Völkermord ihre Familie verloren haben und jetzt allein sind. Viele dieser Kinder sind selbst Haushaltsvorstand, weil sie für ihre jüngeren Geschwister Verantwortung tragen müssen. Das Projekt wird vom Gemeindepfarrer von Byumba, 100 km nördlich der Hauptstadt Kigali, geleitet und betreut 339 Kinder. Weil die finanziellen Mittel nicht reichen, hat man zunächst die 30 Kinder ausgesucht, denen es am schlechtesten geht und versorgt sie in der Mittagspause zwischen den Schulstunden jeden Tag mit einem warmen Essen. „Wikwiheba“ heißt „Verlier nicht die Hoffnung“. Und in der Tat wird das Projekt diesem Namen gerecht. Seit dem Beginn des Projektes haben sich die Schulleistungen der Kinder deutlich verbessert. Für jedes dieser Kinder bedeutet das ein Stück Zukunft.

Damit dieses Projekt weiter finanziert oder sogar ausgebaut und auf mehr Kinder ausgedehnt werden kann ist die Kirche in Ruanda auf die Unterstützung von außen angewiesen. Mit wenig Geld kann viel geschehen:

· 10 Cent für einen Löffel
· 30 Cent für einen Becher
· 1 € pro Tag Essensversorgung für ein Kind
· 5 € für eine Schultasche
· 5 € pro Tag Feuerholz zum Kochen für 30 Kinder
· 8 € für die Schulbücher eines Schuljahres
· 10 € für einen großen Kochtopf
· 10 € jährliche Schulkleidung für ein Kind
· 15 € für eine Sitzbank für 5 Kinder
· 50 € jährliche Schulgebühr für ein Kind
· 50 € pro Monat für eine Projektangestellte
· 1500 € für den Neubau der Unterkunft für einen von einem Kind geführten Haushalt

Ein vertrauenswürdiges Projekt

Ich kenne Anysie Uwimana, die mich persönlich um Unterstützung gebeten hat, seit der Teilnahme an einer Konferenz des Weltkirchenrats in Ruanda 2004, die sie hauptverantwortlich organisiert hat. Wir sind seitdem in intensivem Kontakt. Auch dem Vizepräsidenten der presbyterianischen Kirche von Ruanda Pascal Bataringaya bin ich durch mehrere Begegnungen und intensiver Korrespondenz freundschaftlich verbunden. Er hat mich ebenfalls um Unterstützung für das Projekt gebeten. Vom 21.-29. Februar 2008 werde ich auf Einladung der ruandischen Kirchen das Land besuchen und dabei auch das Projekt persönlich kennen lernen. Eingegangene Spenden kann ich dann persönlich übergeben.

Wer vorzieht, gegen Spendenquittung Geld für das Projekt zu überweisen, kann das unter folgender Kontonummer tun:

Pfarrer Martin Schnurr, Ev. Studierendengemeinde Bamberg
Konto-Nummer: 1512110 bei VR Bank Bamberg eG Raiffeisen-Volksbank
BLZ: 77060100
Verwendungszweck: "Ruanda".

 

Weitere Informationen

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm
Markusplatz 3, 96045 Bamberg
Telefon 0951/863-1844 - Fax 0951/863-4844
Telefon im Dekanat 0951-863-1800
Internet
Privat: Hainspitze 4, 96482 Ahorn
Telefon 09565/617779, Fax 09565/617778